Samstag, 24. September 2016

Brennnesselsamen



Von Mitte August bis Mitte September ist die Erntezeit für Brennnesselsamen. Erinnert ihr euch noch an die Unterscheidung zwischen Männlein und Weiblein? Jetzt braucht ihr die Weiberl. Dick und prall hängen die Samen nun an den oberen Enden der Pflanzen. Ganz leicht lassen sie sich nun mit den Fingern abstreifen.


Dafür braucht man eigentlich keine Handschuhe. Ich verwende aus zwei Gründen keine. Erstens mag ich den Geruch von Chlorophyll an den Fingern und zweitens lernt man so gleich, mit Achtsamkeit zu ernten. Wenn man sanft erntet und ganz bei der Sache ist, wird man nicht gestochen. Versprochen. Ich spreche aus Erfahrung. Aber wenn man die Gedanken schweifen lässt und sich vielleicht schon in Gedanken überlegt, was man anschließend Leckeres mit den Samen machen möchte, dann holt einen die Brennnessel ganz schnell in die Gegenwart zurück. :-)

Wenn man viele Samen braucht, ist es am Effektivsten, wenn man die Samen abschneidet. Ich nehme aber immer nur so viel, wie ich brauche um damit über den Winter zu kommen und da reicht es, wenn ich die Samen direkt abstreife und in eine Butterbrotstüte fallen lasse. Irgendwie scheint mir das netter, der Pflanze gegenüber. 

Die leeren Rispen bleiben so an der Pflanze zurück.

 
So sehen die Samen aus.


Eine Butterbrotstüte nehme ich deshalb, weil sie sich am Ende der Ernte einfach aufreißen lässt und so die kleinen Tiere, die vielleicht aus Versehen mit in der Tüte gelandet sind, noch entfleuchen können.


Denn dann geht es für die Samen bei 35 - 40 Grad in den Backofen. Durch das Trocknen werden die Samen haltbar gemacht. Es ist ratsam, die Backofentür einen Spalt offen zu lassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.  

Die Trocknungszeit variiert von Ofen zu Ofen, bei mir sind es ca. 2 1/2 Stunden. Ich lasse dann das Blech mit den Samen noch über Nacht in der Küche stehen, um am nächsten Morgen nochmal zu kontrollieren, ob die Samen wirklich richtig trocken sind. Wäre ja schade, wenn die Ernte verschimmelt. Danach kann man sie zur Aufbewahrung in ein Glas füllen.

Brennnesselsamen schmecken leicht nussig und ich mag sie besonders gerne auf jeglicher Art von Käse. Wenn ich vom Vorjahr noch Samen übrig habe und schon die neue Ernte ansteht, verbacke ich sie auch gerne im Brotteig mit. Auch können sie in Salate, Aufstriche oder Müsli gegeben werden.
Die kleinen Samen sind ein wahres Superfoot.
Durch ihren hohen Eiweißgehalt sind sie eine pflanzliche Proteinquelle. Sie enthalten viele Vitamine, Eisen, Kalzium und Chlorophyll. 
Die Brennnesselsamen bringen uns gut durch den Winter, denn mit ihre Fähigkeit Antriebslosigkeit und Müdikeit zu vertreiben sind sie ein wahres Burn-out-Mittel.
Und wenn man sich mal anschaut, was die Samen kosten, wenn man sie im Versandhandel bestellt, dann lohnt sich ein Ausflug in die Natur alle mal. 

Es grüßt euch

eure   
      Gesa

 


Dienstag, 23. August 2016

Heidelbeere vs. Rauschbeere


Heute möchte ich euch mal wieder zwei Wildpflanzen, die man leicht miteinander verwechseln kann, im direkten Vergleich vorstellen. Und zwar die Wald-Heidelbeere und die Rauschbeere. Wollt ihr selber mal euer Glück versuchen? Dann schaut euch folgende zwei Bilder an.


Na, seid ihr drauf gekommen?

Links seht ihr die Heidelbeere und rechts die Rauschbeere.

Nur anhand der Beere kann man die beiden Pflanzen schwer unterscheiden. Zwar liest man immer wieder, die Heidelbeere sei runder und blauer und die Rauschbeere ovaler und blau-bereift, aber ich finde das sehr vage und habe die Erfahrung gemacht, dass diese Unterscheidung in der Praxis nicht ausreicht. Die Heidelbeere hat zwar dunkles Fruchtfleisch mit stark färbendem Saft und die Rauschbeere helles Fruchtfleisch mit einem hellen Saft, aber wer will schon die Beeren zerquetschen um festzustellen, ob es die Gesuchte ist?

Deshalb habe ich für euch Unterscheidungsmerkmale rausgesucht, die wirklich nützlich sind. 

Zunächst schauen wir uns die Zweige der Rauschbeere an.


Die Zweige sind komplett verholzt (=braun)! 

Jetzt die Heidelbeere.


Bei der Heidelbeere ist der untere Teil verholzt (=braun) und die frischen Triebe sind grün! 

Wenn man sich den grünen Trieb noch genauer anschaut,


sieht man mehrere erhabene Nähte, die sich leicht spiralförmig noch oben drehen. 


Nun zu den Blättern.


Die Blätter der der Heidelbeere sind eiförmig bis lanzettlich, eher gelbgrün und haben einen gezackten Rand.
Die Blätter der Rauschbeere sind verkehrt eiförmig, eher blaugrün und haben einen glatten Rand.  
Die Größe der Blätter ist auf meinem Foto nicht repräsentativ. Es gibt sowohl kleinere Heidelbeerblätter als auch größere Rauschbeerenblätter.

Den Farbunterschied kann man auch nochmal gut auf dem folgenden Bild erkennen.


(wie immer könnt ihr auf die Bilder klicken, um euch eine vergrößerte Version anzeigen zu lassen.) 

Auf obigem Bild kann man auch gut erkennen, dass beide Arten gerne am selben Standort und kreuz und quer durcheinander wachsen. Man muss also beim Sammeln schon achtsam sein.

Nun die Frage, wie gefährlich ist es denn, wenn man Heidelbeere und Rauschbeere miteinander verwechselt?
Meines Wissens nach gibt es keine tödlichen Vergiftungen mit Rauschbeeren. Es soll aber immer wieder mal zu Rauschzuständen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühlen gekommen sein. Vermutet wird dass diese Symptome nicht von den Beeren selbst, sondern von einem Pilz, der die Beeren befällt, herrührt. Es müssen dafür größere Mengen der Beeren verzehrt werden.
Ein Verzehr einzelner Beeren gilt als unbedenklich. [1][2][3]
Ich habe eine Seite gefunden, auf der der Besitzer schreibt, dass er jedes Jahr Marmelade aus den Beeren kocht. [4] Ganz so schlimm, kann es also wohl nicht sein.
Trotzdem könnt ihr ja jetzt beim Sammeln aufpassen.
Ihr wisst ja jetzt, worauf ihr achten müsst und man will ja schließlich wissen, was am Ende im Glas landet.


Es grüsst euch...
       ...eure Gesa





[1] www.wikipedia.de
[2] www.botanikus.de
[3] www.wildfind.com
[4] www.kvarnhult.de






Sonntag, 21. August 2016

Hiermit melde ich mich...



...bei euch aus dem Urlaub zurück. Nächste Woche geht es hier weiter. 


Sonntag, 24. Juli 2016

Kartoffelsalat mit Blütendressing



Der viele Regen der letzten Tagen hat das Blütensammeln unmöglich gemacht. Aber heute Morgen bin ich direkt beim ersten Sonnenstrahl losgezogen und habe geerntet, um euch ein neues Rezept mitzubrigen.

Es gibt Kartoffelsalat mit Blütendressing.

Dafür braucht man zunächst 800 g fertig gekochte, am besten noch lauwarme, Pellkartoffeln. Diese werden in Scheiben geschnitten. 


Es sollten festkochende Kartoffeln sein. Perfekt ist die Sorte Annabelle. Die kriege ich aber auch nicht immer und es geht natürlich auch mit anderen Sorten. Aber bitte auf keinen Fall "neue" Kartoffeln benutzen. 

Nun geht's weiter mit dem Dressing.
Dafür kommen 70 g Zwiebelwürfel,  1 Bund fein gehackter Dill, 90 g lauwarmes Wasser, 35 g weißer Balsamico, 11 g Salz, 10 g Zucker und frisch gemahlener Pfeffer in ein Gefäß.
(alle Angaben sind in Gramm. Das ist richtig so)

Nun fehlen noch die Blüten.
Dafür kann man selbstverständlich alle essbaren Blüten nehmen, die einem zur Verfügung stehen. 
Ich habe mich für Rotkleeblüten entschieden.


Die Köpfchen habe ich vorsichtig auseinander gezupft...


...und dann zum Dressing gegeben.


Das Dressing wird jetzt über die Kartoffeln gegeben und vorsichtig untergerührt.


Das Ganze muss nun zehn Minuten ruhen.

Dann werden dem Salat noch 20 g Raps- oder Sonnenblumenöl und eine halbe, in dünne Scheiben gehobelte Salatgurke, die ich vorher ein bisschen entkernt habe, zugegeben.


Alles nochmal gut durchrühren.
Fertig. 

Eventuell muss der Salat nochmit ein bisschen mit Salz oder Pfeffer abgeschmeckt werden, das ist allerdings nur selten der Fall, wenn man sich genau an die Mengenangaben hält.


Guten Appetit 

wünscht euch

eure...
...Gesa






Mittwoch, 13. Juli 2016

Kräuterlehrfahrt in die Dolomiten 2016



Auch dieses Jahr ging es wieder für mich mit meinen Kräutermädels auf Kräuterlehrfahrt zu unserer ehemaligen Dozentin Dr. Sigrid Thaler in die Dolomiten.



Am Fuße des Latemar lag unser Hotel, von wo aus wir täglich unsere Wanderungen unternommen haben.


Gleich am ersten Tag sind wir rauf zum Latemar und haben dort eine wunderschöne Wanderung durch die beeindruckende Bergwelt gemacht.


Beim Kraxeln über Stock und Stein...


...kam aber auch die Pflanzenkunde nicht zu kurz.


Am zweiten Tag ging es mit der Gondel hinauf zum Rosengarten.


Das Wetter war uns meistens wohlgesonnen...


...so dass wir...

....trotz diverser Pausen, weil immer irgendeine von uns etwas Interessantes entdeckte und der wohlbekannte Ruf nach "Siiiiiiigrid!" durch die Berge hallte...


...am Ende zur Belohnung die ersehnte Hütte erreichten, wo wir viel Freude an der deutschen Übersetzung der italienischen Speisekarte hatten.


Auf der Rückfahrt machten wir einen Abstecher zum berühmten Karersee mit seinem unglaublichen Wasser, welches sich an diesem Tag nicht originalgetreu auf ein Foto bannen lies. Manche Dinge muss man eben im Herzen bewahren.


Trotz der meist in Scharen dort anwesenden Besuchermassen ist die magische Präsenz dieses Ortes erhalten geblieben. 

 
 Am dritten Tag ging unsere Wanderung durch die Lärchenwiesen,
 in denen wir den Nebel riefen und dieser (es waren wohl zu viele Kräuterhexen anwesend) auch prompt erschien.


Ein besonderer Tag...
...mit besonderen Begegnungen!

 
Am letzten Tag durften wir an einer Führung durch die Latschenölbrennerei Bergila teilnehmen...
 

...wo uns die Besitzerin Brigitte in die Geheimnisse der Destillation einweihte.
Bergila hat einen wunderschönen Platz dort geschaffen, den ich wirklich jedem empfehlen kann, den es mal dort in die Nähe verschlägt.


Liebe Mädels, liebe Sigrid, es waren wieder wunderschöne Tage mit euch, die einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Danke dafür!

Ich freue mich schon auf das Wiedersehen im nächsten Jahr!

 
 






 
 

 
 

 
 

Donnerstag, 7. Juli 2016

Wildkräuter-Eistee...



...selber zu machen ist gar nicht so schwer.


 Als Grundlage nehme ich gerne die Apfelminze. Der Tee daraus schmeckt herrlich frisch ohne das die Minze zu dominant durchkommt.

In den fertigen Tee hänge ich dann, wenn er nur noch gut lauwarm ist, ein paar Kräuter.
In diesem Fall waren es das Wiesenlabkraut und der Spitzwegerich.
Giersch schmeckt auch sehr gut. 
Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Einfach mal was ausprobieren. 
(Natürlich nur ungiftige Pflanzen verwenden!!!)

Diesen Ansatz lasse ich dann mindestens 6 Stunden stehen.

Danach gieße ich alles einmal durch ein Sieb in eine große Kanne, mische dann noch etwas Apfelsaft bei (Verhältnis 7:1 / Tee:Apfelsaft) und stelle das Ganze kalt.

Es schmeckt herrlich erfrischend an warmen Tagen und es bedarf weder Zucker noch Aromastoffe.
Auch Kinder mögen es wirklich gerne.

Gleichzeitig hat man sich wieder ein paar der wasserlöslichen Inhaltsstoffe aus den Wildkräutern zum Gesundbleiben gesichert.


Guten Durst wünscht euch

eure...
...Gesa




Dienstag, 28. Juni 2016

Rotklee





lateinisch: Trifolium pratense
Gehört zur Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütler

Der Rotklee wächst auf vielen Arten von Böden. Nur die Sonne, die hat er gerne. Hier bei uns wächst er zum Beispiel auf meiner Wiese, am Wegesrand, an den Rändern der Kuhweiden...eigentlich überall.

Jeder von uns hat sich bestimmt schonmal als Kind nach einem Kleeteppich gebückt, in der Hoffnung eines der seltenen, aber doch Glück versprechenden, vierblättrigen Kleeblätter zu finden. Die Chancen sind leider eher gering. Wie so oft mit dem schnellen Glück. 

Jedenfalls sind die dreigeteilten Blätter des Klees ein Erkennungsmerkmal, welches uns meist schon als Kind bekannt ist. Doch gibt es neben dem Rotklee auch noch den Weiß- und den Waldsauerklee, die dieses ähnliche Merkmal tragen. 

Während man den Waldsauerklee (der übrigens nicht zu den Schmetterlingsblütlern sondern zu den Sauerkleegewächsen gehört) meist nicht am gleichen Standort findet wie Weiß- und Rotklee, da er schattigen sauren Waldboden bevorzugt, kann eine Verwechslung zwischen Rot- und Weißklee durchaus vorkommen. 
Sobald Rot- und Weißklee blühen, ist die Unterscheidung leicht. Der eine blüht rot....der andere weiß.


Aber vielleicht möchte man vom Rotklee die jungen Blätter ernten, bevor die Blüten erscheinen. Und dann? 

Es gibt ein Erkennungszeichen, welches man sich gut merken kann, finde ich.

Der Blätter vom Rotklee sind eher oval- oder eiförmig und glatt(!)randig.


Während die Weißkleeblätter eher rund sind und eine feine Zähnung zu erkennen ist.
(Wenn ihr auf die Bilder klickt bekommt ihr eine Großaufnahme)


Nur der Vollständigkeit halber nun auch noch ein Bild vom Waldsauerklee, dessen Blätter eher herzförmig sind.


Abgesehen davon, dass die Rotkleeblüten sehr schmackhaft und saftig sind, ist der Rotklee sehr gesund und sogar die Schulmedizin hat ihn für sich entdeckt.

Neben Vitaminen, Mineralstoffen, Cumarinen und Flavonoiden hat der Rotklee eine besondere Wunderwaffe, nämlich pflanzliche Hormone.
In diesem Fall sogenannte Phytoöstrogene.
Sie dienen der Pflanze zum Schutz vor Fraßfeinden, da sie die Pflanze für viele Tierarten unverdaulich machen. Außerdem schützen sie die Pflanze vor Pilzen und Bakterien. [1]

Für den Menschen haben sie einen ganz anderen Nutzen. 
Phytoöstrogene haben ein zellschützendes Potenzial, reduzieren den Knochenabbau im Alter und erhöhen das Wohlbefinden während der Wechseljahre. [2]
Die klimakterischen Symptome können gelindert werden. Als standarisiertes Fertigprodukt in isolierter Form ist Rotklee umstritten und darf keinesfalls bei einem östrogenabhängigen Tumor eingesetzt werden. [3]

In der Kräuterküche aber lassen sich junge Triebe und Blätter verwenden und Suppen oder Kräutermischungen beigegeben werden. Wie schon erwähnt sind die roten Blüten besonders schmackhaft. Man kann sie über Salate geben, in Brotteig einbacken oder aus ihnen sogar ein Knäckebrot herstellen. Nach der Ernte der Blütenköpfe sollten diese ein paar Minuten auf einem Tuch ausgebreitet werden, da sich in den vielen kleinen Schmetterlingsblüten oft winzige Tierchen aufhalten, denen man die Chance zur Flucht geben sollte.

In vielen Kräuterbüchern steht, dass der Weißklee in der Kräuterküche genauso verwendet werden kann wie der Rotklee, allerdings habe ich in einem Zeitungsartikel des Miesbacher Merkur vom 17.6.2016 gelesen, dass der Weißklee ein für den Menschen unverträgliches Eiweiß enthält, das dem von grünen Bohnen ähnelt, und deshalb besser erhitzt werden sollte. In kleinen Mengen, zum Beispiel als Deko im Salat, aber kein Problem darstelle. 

In der Volksheilkunde wird der Rotklee wie erwähnt eingesetzt, wenn die eigene Hormonproduktion in den Wechseljahren nachlässt. Außerdem soll eine Tinktur innerlich und äußerlich bei Schuppenflechte und Ekzemen helfen. Auch Kompressen mit Pflanzensud bei arthritischen Beschwerden werden erwähnt. [2]

Ich persönlich mag die Rotkleeblüten sehr gerne und freue mich immer, wenn ich die Gelegenheit habe, sie im meiner Kräuterküche einzubringen. 

eure...   
...Gesa





[1] Wikipedia - Phytoöstrogene 
[2] Hirsch/Grünberger - Die Kräuter in meinem Garten 2005
[3] Ursel Bühring - Alles über Heilpflanzen 2007